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Zum Ende der Seite springen Die Obrigkeit und das Glücksspiel 3 Bewertungen - Durchschnitt: 7,673 Bewertungen - Durchschnitt: 7,673 Bewertungen - Durchschnitt: 7,67
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räubertochter räubertochter ist weiblich
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Die Obrigkeit und das Glücksspiel

Die Calvinisten, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Duisburg durchsetzten, machten dem Glücksspiel in Wirtshäusern für gut zweihundert Jahre rigoros ein Ende - zumindest offiziell.

Wer das Casino im City Palais betritt und sich die Spiegel am unteren Ende der Säulen anschaut, erkennt Sternbilder - eine Hommage an den Kosmographen Gerhard Mercator. Magisch glitzern Gestirne und Planeten, denn ohne ein wenig Aberglauben macht Glücksspiel keinen Spaß. Gesetzte Zahlenfolgen werden am Roulettetisch oft aus Geburtsdaten abgeleitet. Viele Spieler pflegen bestimmte Rituale. "Man muss halt fest dran glauben, dann wirkt der Glückszauber", erklärt Marita S., eine passionierte Roulettespielerin.

Am Anfang stand schon vor 5000 Jahren das Würfelspiel. Ob Römer oder Germanen oder im fernen China, überall finden sich seit Jahrtausenden Spuren der Spielleidenschaft. Das Glücksspiel ist damit ein Teil der Kulturgeschichte der Menschheit. Bereits im 13. und 14. Jahrhundert breiteten sich in Europa die konzessionierten Spielhäuser aus. Lizenzen und Privilegien an den Spielbetreiber wurden von den Landesfürsten oder den Kommunen vergeben. Ganz nebenbei profitierte die Obrigkeit durch eine gezielte Steuer- und Abgabenpflicht finanziell von der Spielleidenschaft. Andererseits versuchte man mit mehr oder weniger strengen Auflagen die negativen Folgen zu kontrollieren. Als erstes öffentliches Casino galt das italienische "Ridotto", welches den Spielcasinos der heutigen Zeit schon sehr ähnelte. Im Jahr 1638 wurde das berühmte Casino in Venedig eröffnet.

Ganz anders in Duisburg. Die Calvinisten, die sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Duisburg durchsetzten, machten dem Glücksspiel in Wirtshäusern für gut zweihundert Jahre rigoros ein Ende - zumindest offiziell. Pflichterfüllung, Tüchtigkeit und beruflicher Erfolg galten erstrebenswerter als das verwerfliche Glücksspiel. Soziologen haben dafür eine Erklärung: "Der Leistungsgedanke und wirtschaftlicher Erfolg des eigenen Handelns wird bei den Calvinisten deutlich höher bewertet als Zufall, Glück oder den Einfluss externer Mächte". Die geistige und weltliche Obrigkeit achtete streng darauf, die Spielsucht der Duisburger einzudämmen. Das blieb auch im 19. Jahrhundert so.

Im protestantischen Preußen - also auch in Duisburg - gab es bereits vor der Märzrevolution (1848) ein Spielbankverbot. Das Auf und Ab des Glücksspiels mit massiven Eingriffen der Obrigkeit bestätigte auch das neuerliche Verbot in Deutschland zwischen 1871 und 1933. Ab 1933 wurde das Spielbankverbot zwar aufgehoben, aber in der NS Zeit erhielt nur Baden Baden eine Konzession. An eine Ausweitung des Spielbankbetriebs dachte auch in der Nachkriegszeit niemand.

In Zeiten des Wirtschaftswunders fand der Duisburger Normalbürger Spielvergnügen eher mit Spielautomaten und Sportwetten. Den Duisburger Geldadel zog es dagegen nach Bad Neuenahr, Baden-Baden oder Bad Homburg.

In Nordrhein-Westfalen eröffnete vor 42 Jahren in Aachen das erste von vier NRW-Spielcasinos. Sie sollten das Glücksspiel in geordnete Bahnen lenken. Ihre Glanzzeiten waren die 70er und 80er Jahre. Erst im Jahr 2007 zog Duisburg nach. Im City Palais wurde die erste Spielbank eröffnet. Die finanziellen Erwartungen waren hoch gesteckt: Der Betreiber Westspiel sollte dem Land und der Stadt Duisburg jedes Jahr Millionen-Einnahmen liefern. Das ist auch tatsächlich gelungen - zuletzt mit wieder ansteigender Tendenz.

Heute sind die Slotmachines die "Umsatzbringer" der Casinos - etwa 40 Prozent der Einnahmen werden im klassischen Spiel wie Roulette, Poker und Black Jack erwirtschaftet - 60 Prozent im Automatenbereich. Doch der Konkurrenzdruck wächst. Illegale Online-Anbieter in Steueroasen wie Gibraltar, Malta oder in der Karibik und die Flut der Wettbüros machen den Spielcasinos zu schaffen. Mit publikumswirksamen Konzerten und Poker-Turnieren, mit Promis, Silvesterfeiern und Galaabenden lockt man hier in Duisburg neue Zielgruppen ins Spielcasino.

Erfolgreich: Mit rund 400.000 Besuchern ist Duisburgs Casino im bundesweiten Vergleich der rund 70 Spielbanken unangefochten die Nummer eins. Im Vergleich mit der Welthauptstadt des Glücksspiels Macau wirkt der Umsatz aller 70 Spielbanken in Deutschland eher winzig. Macau stellt selbst Las Vegas in den Schatten. Doch es gibt eine magische Verbindung: Ob Macau, Las Vegas oder Duisburg, der Glaube an die Glückszahl ist überall gleich.

Quelle: RP
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