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» Wer ist beweispflichtig beim Freien Beruf ? «

Nehmen wir nur mal die ganzen Steuerberater an, die Private Finanzplanung machen.

Jetzt zitiere ich mal einen Verwaltungsmitarbeiter unter dem vorherigen Thema "Private Finanzplanung Freier Beruf oder Gewerbe ":
"Meine Einschätzung: Da für diese Tätigkeit gerade kein akademischer Abschluss erforderlich ist, spricht hier vieles für Gewerbe."

Sie sind also bei der Verwaltung der Meinung, dass man dafür nicht viel können muss, so dass das eigentlich immer ein Gewerbe sein müßte.

Und was ist denn dann mit den ganzen Steuerberatern, die umfangreiche Private Finanzplanungen anbieten ? Wieso sind die denn nicht gewerblich tätig ?
Wieso dürfen die weiterhin freiberuflich tätig sein ?

Jetzt nehmen wir mal folgendes an: Jemand ist kein Steuerberater, und meldet Private Finanzplanung beim Finanzamt als freiberuflich an , weil er ein Hochschulstudium abgeschlossen hat u.a. mit Schwerpunkten in Investition und Finanzierung unter Besteuerung, Investitionstheorie und Unternehmensbewertung. Meiner Meinung nach müßte das ein katalogähnlicher
Beruf sein zum Beratenden Betriebswirt; und somit vom Finanzamt als Freiberuflich
anerkannt werden.

Gewerberechtlich ist es anders. Da kommt es nicht drauf an, ob ein Studium abgeschlossen wurde, sondern ob die Selbständige Tätigkeit auf diesem hohen
Niveau ausgeführt wird.

Jetzt hatte ich gesagt unter dem vorigen Thema, dass mich dazu die Rechtsprechung interessiert. Da waren sie anderer Meinung gewesen. Ich zitiere:
" Für die Annahme von Gewerbemeldungen sind in ganz Deutschland die Ordnungs-/Gewerbeämter zuständig. Deswegen führt an den entsprechenden Kolleg*innen kein Weg vorbei. Ist man dort unsicher, besteht die Möglichkeit das mit den übergeordneten Stellen zu klären. "

Jetzt schreiben sie hier weiter folgendes , was auch noch vollumfänglich bestätigt worden ist:

"Sie betonen, nicht vermittelnd tätig zu sein. Für diesen Fall hielte ich aber immer noch § 34h GewO für anwendbar. Dann wären Sie Anlageberater und damit Gewerbetreibender:"

Diese Aussage ist vorsichtig ausgedrückt falsch, und daher wenig zielführend.
Der Gesetzgeber hat mit dem § 34 h doch die Voraussetzungen geschaffen, dass ein
ein Finanzberater im Prinzip alles darf.
Er kann Anlageberatung machen. Er kann sich den erhöhten Haftungsrisiken aus einer
Anlageberatung entziehen, und eine umfassende Beratung machen, ohne Anlageberatung.
Er kann nur vermitteln. Er kann auch vermitteln mit Anlageberatung oder Beratung ohne Anlagenberatung. Und er kann auch die Versicherungslösungen wie Riester Rente vermitteln, für die wieder getrennte
Aufklärungspflichten gelten. Das nennt sich dann Honorarversicherungsberater.

Der Honorarberater nach 34 h bleibt aber immer Gewerbetreibender. Dass heisst, er hat in der Regel nicht die Kenntnisse, Geldanlagen ökonomisch richtig zu bewerten. Er kennt sich in der Regel nicht aus mit den verschiedenen Renditebegriffen wie arithmetische Rendite, geometrische Rendite, Rendite als Interner Zinsfuss, die Rendite nach Preisangabenverordnung oder die Rendite als Endwertbezogene
Eigenkapitalrentabilität.

Ausserdem kann er in der Regel keine komplexen Finanzpläne
erstellen wie das bei Steuersparmodellen nötig ist, um die Vorteilhaftigkeit nach Steuern berechnen zu können. Das sind dann Totalmodelle mit simultaner Investitions und Finanzierungsplanung unter Berücksichtigung von Steuerzahlungen bei offenem
Entscheidungsfeld mit der Zielfunktion: Maximiere das Endvermögen nach Steuern.


Nach ihrer Ansicht müßte man das vor Ort klären mit der Behörde oder übergeordneten
Behörde, ob das angewendete Niveau auf Hochschulniveau ist.
Da stellt sich mir zuerst die Frage. Wer ist denn nun beweispflichtig ?
Ist die Behörde beweispflichtig ? Kann der Finanzplaner solange freiberuflich sein,
bis die Behörde nachgewiesen hat, dass das Niveau kein höheres Niveau ist ?
Oder muss der Betreffende vor Beginn nachweisen, dass er auf höherem Niveau
tätig ist ?

Und wie soll das dann vor Ort im Einzelfall aussehen ?

Nehmen nur mal die verschiedenen Steuersparmodelle :
Modell 1 : Sie haben 100.000 Euro geerbt. Der Steuerberater empfhielt ihnen, das Geld
zum Fenster raus zu schmeissen. Sie können die 100.000 dann nämlich als Verluste mit ihren hohen Einkuenften aus anderen Tätigkeiten verrechnen. Bei einem Steuersatz von 50% sparen sie 50% Steuern, und sparen somit 50.000 Euro.
Ist dieses Steuersparmodell sinnvoll?
Sie sind ja nicht blöd , und rechnen kurz nach.
Endvermögen nach Steuern wenn man die 100.000 Euro unter dem Bett hält:
100.000 Euro.
Endvermögen mit dem Steuersparmodell vom Steuerberater nach Steuern: 50.000 Euro.
Also lassen sie das sein.

Und was ist jetzt mit den anderen Steuersparmodellen wie Geschlossene Fonds, vermögensverwaltende GmbH oder Doppelte Holdings als Dachgesellschaften für die Vermögenserträge.

Der Steuerberater sagt ihnen nur dass sie Steuern sparen.
Aber um die Vorteilhaftigkeit abzuschätzen , müssen sie ein Totalmodell aufstellen mit
der Zielfunktion "Maximiere das Endvermögen nach Steuern ".

Wenn man grössere Unternehmen hat, und man wendet solche Totalmodelle auf einzelne Investitionsprojekte an, dann bringt das in der Regel nichts, wegen der Interdependenzen
mit anderen Investitionsprojekten. Aber bei der Privaten Finanzplanung hat man in der Regel diese Interdependenzen mit vielen anderen Investitionsobjekten nicht. Und dann sind
solche Totalmodelle sehr aussagekräftig.

Aber sie dürfen dabei die Steuerzahlungen
nicht zu detailliert abbilden; denn sie können sich ja vorstellen, dass die Steuerberaterkammer nicht allzu begeistert davon ist, wenn sie Steuersparmodelle wie
doppelte Holdings entzaubern würden. Sie können sich ja sicher vorstellen, welche
Stundensätze dabei abgerechnet werden; oder alternativ welche Gegenstandswerte.
Bei solchen doppelten Holdings geht es übrigens nicht um ein Vermögen von 1 Millionen Euro. Dafür lohnt sich so etwas nicht.

Wie muss man sich das jetzt vor Ort vorstellen ?
Der Private Finanzplaner hat 6 Monat lang Excel Tabellen mit Totalmodellen erstellt zu allen möglichen Steuersparmodellen. Genau so wie der Steuerberater darf man dabei
keine Anlageberatung machen, denn ansonsten ist es gewerblich. Aber das muss ja auch
nicht sein. Es reicht doch aus, wenn man die Asset Klasse sehr genau bestimmt.

Er geht damit zum Verwaltungsmitarbeiter beim Gewerbeamt. Und der soll jetzt entscheiden, ob das ein hohes Niveau ist, was der Private Finanzplaner da angewendet hat ?
Vielleicht hat der Private Finanzplaner ja auch geschummelt, und sich einfach irgendwas zusammengerechnet, was nicht akademischen Standards entspricht.

Meines Erachtens funktioniert das nicht, dass die Verwaltungsmitarbeiter vor Ort klären,
ob ein akademisches Niveau erreicht wird. Das hatte ich ihnen ja auch geschrieben,
dass ich dazu nicht an der Meinung von irgendeinem Verwaltungsmitarbeiter vor Ort interessiert bin, sondern an der Rechtsprechung dazu.



Gepostet am 11.02.2023 um 18:19 von:
Benutzer: B.R.
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